Alles bunt- na und?

Gedanken über Etikette und Kleiderordnung.
[polldaddy poll=0] Auf unseren Matten herrscht buntes Treiben. Das gilt zu mindestens für die Gi´s. Immer mehr Ju-Jutsukas bekennen sich zur Farbe ( siehe auch die Berichte dazu im Ju-Jutsu-Journal) und tragen farbige Gi´s. Doch sieht man derzeit auch sehr knallige Farben wie Pink, Rot und strahlendes Gelb, dann wieder Kombinationen aus weißer Gihose und blauer Jacke. Das kann ja ganz witzig sein, an einem der letzten Trainingstage sah ich einen Weißgurt in neuem schwarzen Anzug, der mit einem Schwarzgurt in dem klassischen Outfit trainierte.

Ich bin bei dem Thema etwas zwiegespalten- zum einen sind die Anzüge mit Einflüssen aus dem MMA oder BJJ oft sehr schick, auf der anderen Seite meine ich, daß man nicht nur Respekt gegenüber seinem Trainingspartner, sondern auch der Sportart/Kampfkunst zeigen sollte. Hier trägt man traditionell einen weißen Gi (nicht umsonst steht in den Ausschreibungen des HJJV immer, daß man in einem solchen erscheinen möchte). Gerade in diesen Zeiten, wo die Sitten etwas gelockert sind, sollte man verstärkt auf Etikette achten. Dazu gehört natürlich auch das kurze Angrüßen vor jeder Übung, was leider in vielen Dojos verloren gegangen ist. Und das setzt sich natürlich in der Kleidung fort. Doch auch zur Etikette heißt es “Leben und Leben lassen”, beide Seiten sollten aufeinander zugehen und die Farben der Gi´s sollten nicht zu extrem sein. Einigen kann man sich hier in kleinem Rahmen, denn wo sollte man sonst eine Grenze setzen? Im Verein kann man das ggf. auch auf dem “kleinen Dienstweg” lösen.

Ganz klar ist jedenfalls, was die Budo-Etikette vorgibt- ein weißer Gi ist Pflicht!

Medienteam HJJV (Hamburg) Thorsten Wießner

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0 Antworten zu Alles bunt- na und?

  1. Moin, ich muss gestehen, dass ich dem Verfasser des Artikels im JJJ echt dankbar bin. Persönlich trage ich immer schwarze Gis, schlicht weil ich mich darin am wohlsten fühle. Einzige Ausnahme: Prüfungen und Lehrgänge. Warum? Zumindest im Zusammenhang mit Lehrgängen ist mir die Argumentation ersichtlich. Alle Teilnehmer_innen weiß und wer nicht weiß trägt gehört zu den Referent_innen. Argument: Leichtere Identifizierbarkeit vor funktionalem Hintergrund. Bei Prüfungen muss ich mich notgedrungen den Anforderungen des Verbandes beugen. Argument: keins. Werte werden nicht durch Kleidung, sondern durch handeln transportiert. Der weiße Gi ist Samurai Unterwäsche. (Unterwäsche, weil unter der Rüstung zu tragen.) Warum weiß? Weil in der Shinto-Religion weiß die Farbe des Totenkleides war und so ein Samurai schlicht jederzeit auf den Tod vorbereitet sein wollte. Nun will ich aber weder im Training, noch bei Lehrgängen, Prüfungen oder Wettkämpfen (wo unterschiedlich farbige Gis sogar vorteilhafter sind) irgendwen töten. Mit anderen Worten: dieses Rumgereite auf dem weißen Gi ist in den allermeisten Fällen schlicht selbstreferentielles festhalten an Traditionen, ohne dass es mit Argumenten unterfüttert wäre.
    Budo-Ettikette lebe ich, indem ich An- und Abgrüße (Training wie Partner_innen), ich darauf achte, dass ich meine Ukes nicht verletze und mich ihnen kräftemäßig anpasse, dass ich sportlich fair bin, dass ich Demütig gegenüber meinen Lehrer_innen und Trainingspartner_innen, das Training nicht störe und und und …
    Solange mein Gi sauber ist und meinen Trainingsparter_innen ein hygienisches und ungefährliches Training ermöglicht, ist es völlig belanglos, ob er weiß, schwarz, pink oder grün mit orange Punkten ist.
    Im No-Gi bereich ist es ähnlich. Will ich möglichst realistische SV trainieren, so kann es bei der Kleidung gar keine Einschränkungen geben. Im sportlichen No-Gi-Bereich sollte einfach (neben Hygiene) auf potenzielle Verletzungsrisiken (Taschen, Reißverschlüsse) geachtet werden. Wenn ich meine im Stringtanga zu grappeln merk ich schon von alleine recht schnell, dass Mattenbrand an manchen STellen unangenehmer ist als an anderen. 😉
    Und zu dieser Totenkopf-Thematik: St. Pauli Fanwear hat längst auch eine Reihe von Babyprodukten. In diesem Zusammenhang (St. Pauli) und anderen ist der Totenkopf längst gesellschaftlich akzeptiert.
    Ich begegne in Training oder Wettkampf lieber jemandem in Totenkopf Rashguard und pinkfarbendem Stringtanga, der/die sportlich fair, respektierlich und ohne Überheblichkeit (ganz gleich wie überlegen er/sie ist) mir gegenüber tritt, als jemandem im weißen Gi, der/die meint mir zeigen zu müssen wie viel krasser er/sie ist und wenn das sportlich fair nicht geht, schummelt und anschließend bei Sieg/Niederlage in Hohn/Vorwürfe zu verfallen.
    In diesem Sinne: Train save and enjoy life!

  2. Jobi sagt:

    Hallo Torsten.
    Ich hab über das Kampfkunst- Board, im Bereich Grappling, in dem es um bunte Kampfanzüge geht, hier auf diese Seite gefunden und fühle mich “genötigt”, hier auch mal meine Meinung kund zu tun, da ich ebenfalls im DJJV bin.
    Grundsätzlich sollte jeder seine eigene Meinung haben, die er sich auch frei und unvoreingenommen bilden können sollte. Leider hab ich in den 15 Jahren, in denen ich jetzt im Ju- Jutsu und Jiu Jitsu unterwegs bin (vorher 13 Jahre Freistil- Ringen), festgestellt, daß in diesem Bereich “gefährliches Halbwissen” extrem weit verbreitet ist. Das geht oft so weit, wie in Euerem Fall hier, das ein Landesverband seinen beitragzahlenden Mitgliedern vorzuschreiben meint, was sie anzuziehen haben und daß sie sich vor jeder Übung zu verbeugen haben.
    Es mag sein, das sich der Anfänger und Freizeit- Sportler sich nicht (intensiv) mit japanischer Geschichte, Kôdôkan- Jûdô, Bûdô, Bûshidô ect. auseinandersetzen und beschäftigen, aber in den Leitungsbereichen der Verbände sind meist (hohe) Dan- Träger in der Verantwortung, die oft auch andere Disziplinen deben dem DJJV- JJ betreiben oder betrieben haben. Diese Leute sollten sich eigentlich eingehend mit den Zusammenhängen Bushido/ Budo >> japanischer Reaktionismus, 2. Weltkrieg, Völkermord, Mandschurei, Korea, Behandlung von Kriegsgefangenen, Frauen- Lager ect. ect. auskennen. Auch sollten sie sich mit der Geschichte des Kodokan und mit der Person Jigoro Kano beschäftigt haben, warum dieser weiße Anzüge eingeführt hat (Stände!) und warum dieser Judo als “Anti- Budo” gegen große Wiederstände in seinem Heimatland etablierte und das Kodokan schließlich kurz vor seinem Tod schloß, weil es die reaktionären Kräfte in Militär und Wirtschaft immer mehr für ihre Zwecke mißbrauchen wollten.
    Zu den japanischen Etikette: Kampfkunst wird dort in Dôjô, nicht in Schulturnhallen, ausgeübt. Bei betreten des Dôjô ( Shimosa) verbeugt man sich in Richtung Kamiźa, die Tatami werden NICHT gegrüßt! Die Lehrer werden durch verbeugen in einem bestimmten Winkel (30-40°) gegrüßt, “gleichgestellte” Schüler verbeugen sich (10 – 15°) jeweils beim ersten Kontakt (zB. Umkleide) und dann wieder beim Letzten, zB. nach Ende des Gaiko bei Verlassen der Umkleide, Verbeugen vor und nach Ende einer jeden Übung oder Technik ( so wie in Deinem Beitrag gefordert) ist in Japan unbekannt.

    Das Ju- Jutsu des DJJV ist kein Budo, und das ist gut so!
    Das Ju- Jutsu des DJJV ist keine japanische Kriegs- und Kampfkunst, sondern in Deutschland für Jedermann entwickelt!
    Das Ju- Jutsu des DJJV hatte nie japanische Oberhäupter oder auch nur Instruktoren und seit 2000 auch keine zwingend japanische Herkunft der Techniken/ Bewegungsmuster!

    Meiner Meinung nach ist der Beitrag und auch die dahinter stehende Meinung unangebracht und, unter Beachtung der tatsächlichen Zusammenhänge der japanischen Geschichte, absurt!
    Viele Grüße aus Süddeutschland
    Jobi

  3. Hallo Jobi,

    vielen Dank für Deine ausführliche Meinungsbegründung. Was ich allerdings meinte, dass “unser” JJ ursprünglich aus den klassichen “weißbeGIten” Sportarten entwickelt wurde. Ich gebe Dir Recht, dass seit 2000 auch starke Einflüsse aus anderen Kampfsportdisziplinen dazugekommen ist. Meine Meinung ist nur, dass es nicht zu einer Farbschlacht auf der Tatami führen sollte…

    • Jobi sagt:

      Hi Thorsten,
      entschuldige bitte, daß ich Dich oben falsch geschrieben hab.
      Ich würde es nicht als “Farbschlacht” bezeichnen, eher als persönliche Vorlieben und die Möglichkeit, seine Persönlichkeit nach außen hin darzustellen. Das ist in der westlichen Welt im Alltag so üblich, jeder tut dies zu jeder Zeit.
      Ich halte es schon für richtig, in den Wettkampf- Disziplinen den weißen Gi vorzuschreiben (meinetwegen auch für Prüfungen), das ist in fast allen Sportarten ja so üblich, vom Turnierreiten bis zum Fußball. Deshalb EMPFEHLE ich meinen Anfängern auch, sich als ihren ersten Gi einen weißen zu kaufen, der die Teilnahme an Wettkämpfen und Prüfungen ermöglicht. Allerding empfehle ich den weißen noch aus einem ganz anderem, wichtigen Grund: der Kontrole der Sauberkeit, da man als Anfänger erst mal einen gewissen Erfahrungswert sammeln muß, daß ein Gi eben nach 2- 3 Trainingseinheiten dreckig ist. Auf einem weißen Gi sieht man das sehr gut, auf einem farbigen nicht. Aber ideelle Werte sollten im DJJV- JJ keine Rolle spielen, siehe meinen Beitrag oben.
      Aber generell sollte beim Training und auf Lehrgängen die Wahl des Gi meiner Meinung nach demjenigen überlassen bleiben, der den Gi bezahlt. Und das ist in 99,9 % der Träger selbst.
      Mit freundlichen Grüßen
      Jobi

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