Landeslehrgang 45+ Fleißig auf der Matte: -Bestlüd öber fiefunveertig-

_DSC5055Die körperliche Leistungsfähigkeit des Menschen lässt nach dem 25. Lebensjahr nach – bei dem einen etwas schneller, bei dem anderen etwas langsamer. Das biologisches Gesetz, und es gilt auch für Ju Jutsuka. Ein 60-jähriger wirft selten noch so dynamisch wie ein Juka, der 20 oder 30 Jahre jünger ist, das Lernen von komplexen Technikkombinationen fällt ihm schwerer und auch das Fallen ist nicht mehr immer eine reine Freude (weiß übrigens der Schreiber dieser Zeilen aus eigener Erfahrung…).

Zugleich aber sollen die Jukas in fortgeschrittenem Alter weiterhin Spaß am Ju Jutsu haben und natürlich auch Gürtelprüfungen erfolgreich ablegen können.

Mit der Frage, wie man eine JJ-Prüfung auch in höherem Alter gut meistern kann, beschäftigte sich im Juni der Landeslehrgang mit dem hübschen Titel „Bestlüd öber fiefunveertig“ (für die Platt-Unkundigen: „Beste Leute über 45“). Dieser Lehrgang wurde in dieser Form erstmals vom HJJV angeboten, Initiator und Referent war Jens Keckstein, 6. Dan Ju Jutsu und Prüfungsreferent im Vorstand des HJJV.

Rund 30 Jukas im Alter von 45 plus waren ins Budozentrum der SVP nach Hamburg-Alsterdorf gekommen, um in Theorie und Praxis Antworten zu erarbeiten auf Fragen wie:

– Welche Techniken funktionieren in JJ-Prüfungen, welche sollte man lieber lassen?

– Wie schnell muss ich sein, um nicht als langsam zu gelten?

– Wieviel Kondition wird erwartet?

– Welche Sonderregeln gelten für mich?

Bevor es an die Technikausführungen ging, erläuterte Jens noch theoretischen Hintergrund unter anderem zu den Themen Leistungsfähigkeit und koordinative Fähigkeiten, die von einer Vielzahl individueller physischer, psychischer, sozialer sowie externer Faktoren bestimmt werden. Ein wichtiger Fakt zum Mitnehmen: Auch wenn es ab Mitte 20 langsam bergab geht – mit Sport lässt sich der „Sinkflug“ deutlich verlangsamen. Ebenso kann man auch erst später im Leben seine sportliche Leistungsfähigkeit aufbauen.

Schließlich: Ein Senior, der regelmäßig Sport betreibt, kann durchaus eine bessere Leistungsfähigkeit haben als ein Jugendlicher, der sich nicht sportlich betätigt.

Nach der Theorie kam die Praxis. Jens zeigte anhand der Fallschule und diverser Techniken aus den Kyu-Prüfungsprogrammen verschiedene Ausführungsalternativen und vor allem, welches Tempo für Jukas in fortgeschrittenem Alter bei Gürtelprüfungen angemessen ist.

„Wichtig ist, dass die Technik sowie das ihr zugrunde liegende Prinzip richtig umgesetzt werden und die Kombination flüssig gezeigt wird. Hektik ist da völlig überflüssig“, erläuterte er den Lehrgangsteilnehmern.

Für Prüflinge jenseits der 45 Jahre hatte Jens dann auch noch einige Tipps für Prüfungen bereit. So sollten vermehrt Angriffe mit Kontakt gewählt werden und bei der Verteidigung sollte Tori möglichst selten zu Boden gehen, Sichern im Kniestand reicht. Außerdem hilft es, Aufhebe- und Transporttechniken zu demonstrieren, da man dabei auch mal durchatmen kann. „In der freien SV“, so Jens, „möglichst wenig Würfe zeigen und möglichst nicht zu Boden gehen. Beides kostet unnötig viel Kraft.“ Würfe kann diese Altersgruppe in zwei Phasen durchführen: Eindrehen (Stehen), dann werfen. Sollte Tori das Gleichgewicht verlieren, ist Abstützen mit den Händen erlaubt.

Bei vorheriger Absprache mit dem Prüfer und dem Prüfungsreferenten sind eventuell auch noch diese Prüfungsmodifikationen denkbar: Eigenen Partner mitbringen, alternative Techniken zeigen, längere Pausen zwischen den Übungen, Fallschule aus dem Kniestand, wenig oder gar nicht als Partner auf die Matte gehen (3 Punkte)

Jens: „Aber da ist noch nichts in Stein gemeißelt. Wir stehen ja erst am Anfang eines Prozesses und müssen uns gemeinsam ein Konzept für die Ju Jutsuka 45 plus überlegen und schauen, welches Maß wir in den Prüfungen für diese Altersgruppe anlegen. Das Thema ist jedoch sehr wichtig, da diese Sportlergruppe immer größer wird und ja auch für den Breitensport besonders wichtig ist. Spätestens auf dem Prüferlizenz-Lehrgang im Januar werden wir das sicher weiter diskutieren und Orientierungshilfen für Trainer sowie Prüfer zu 15diesem Themenkomplex geben.“

Text: HJJV-Medienteam/Ralph Boeddeker

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